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St. Goar, 24. Juni 2012: Abendrot in St. Goar
20120624, 56329 St. Goar, wdz 

Projekt "Modellstadt St. Goar": 
Hilferuf vom Marktplatz

Interview:
Renata und Willi Marx 
Eigentümer des Hotels Am Markt in St. Goar

WdB:  Sie, Frau Renata Marx und Ihr Mann sind keine alteingesessenen St. Goarer. Deshalb aus purer Neugier die Frage: Wie hat es Sie nach St. Goar verschlagen?

Renata Marx: Ja, wir haben hier erst unsere dritte Saison. Bevor wir nach St. Goar gekommen sind, hatten wir uns Hotels und Gaststätten an Rhein und Mosel angesehen und uns dann für den Kauf des Hotel am Markt in St. Goar entschieden.

Willi Marx: Von Beruf bin ich Ingenieur und habe den auch viele Jahre ausgeübt. Wir haben aber vor St. Goar bereits 10 Jahre erfolgreich ein Hotel mit Gaststätte in Pacht betrieben. Irgendwann wollten wir nicht mehr pachten und sind dann auf die Suche nach einem geeigneten Betrieb gegangen.

WdB: Hatten Sie vor dem Kauf des Hotel am Markt von dem Projekt "Modellstadt St. Goar" gewußt?

Willi Marx: Ja, vom Hörensagen. Wir kannten natürlich die Umsätze des Vorbesitzers genau. Sahen die Lage am Marktplatz und am Eingang der beruhigten Zone Heerstraße als gut an. Wir bewerteten das Hotel am Markt als in einer Liga mit den benachbarten Hotels - dem Hotel Hauser und dem Hotel Zum Goldenen Löwen.

Renata Marx: Die Vorbesitzer hatten erwähnt, daß der Bürgermeister sehr geschickt bei der Beibringung von Fördermitteln sei und schon einiges bewegt habe. Von Seiten der Stadt würde einfach alles besser werden, auch am Marktplatz. Darauf haben wir vertraut und haben uns dann guten Mutes in St. Goar voll persönlich und finanziell engagiert.

Willi Marx: In 2010 stand für uns die Renovierung und Modernisierung des Hotel am Markt ganz oben. Da war einiges überfällig. Ich habe tagelang alte Installationen rausgerissen ...
Anfangs 2011 habe ich nachgefragt und über die Planungen im Bereich des Marktplatzes Kenntnis erhalten. Da sind wir aus allen Wolken gefallen.

WdB: Was meinen Sie damit?

Willi Marx: Zuerst hatte ich nur ein schönes Bild aus der Presse. Ein Blick vom Rhein auf den neu gestalteten Platz. Von der Außenbewirtschaftung der drei Hotels war nichts zu erkennen. Auf Nachfrage bei Herrn Bürgermeister Mallmann kam dann der Hammer. Die Fläche der Außenbewirtschaftung beim Löwen wird etwa verdreifacht, beim Hotel Hauser ebenfalls. Bei uns, beim Hotel am Markt, bleibt nur die seitliche Terrasse, die uns gehört. Die von der Stadt angepachtete Fläche in der Heerstraße, die für uns überlebenswichtig ist, entfällt. Sie ist von den Planern mausgrau und ohne Bewirtschaftung eingetragen. Bei uns wird die Fläche der Außenbewirtschaftung, die direkt am Haus anschließt halbiert. Von den Hotels im Bereich des Marktplatzes werden zwei aufgewertet und unserem Hotel wird die Basis entzogen. Warum?

WdB: Was haben Sie seitdem unternommen?

Willi Marx: Wir haben versucht mit Herrn Bürgermeister Mallmann zu sprechen. Haben versucht unsere Sicht zu der, durch die Planung zu unseren Ungunsten geänderte Situation am Marktplatz verständlich zu machen. Und darum gebeten: 1. Die bewährte Verkehrsführung auf dem Marktplatz zu  belassen. 2 . Das Erscheinungsbild der drei Hotels durch die Außenbewirtschaftung und damit zusammenhängend, 3. die Flächen der Außenbewirtschaftung selbst, wie bisher gerecht und in etwa gleich groß zu gestalten.
(Anmerkung der Redaktion: Herr Willi und Frau Renata Marx wirken mitgenommen und kämpfen ersichtlich darum die Fassung nicht zu verlieren.)

WdB: Bitte beruhigen Sie sich. Wenn es wieder geht, sprechen Sie bitte wieder.

Willi Marx:  Herr Mallmann hat zugehört. Hat aber hammerhart gesagt: "Die Planung ist seit langem abgeschlossen, da ist nichts mehr zu machen. Im September geht es los." Er hat uns noch angeboten, wir könnten Außenbewirtschaftungsplätze von der Stadt im Bereich des Löwen anmieten. Die Bewirtschaftung über die Straße macht aber sehr anstrengende und aufwendige Lauferei des Personals nötig. Es wirkt auch sehr befremdlich auf Gäste die in der Aura eines Hotels Platz nehmen und plötzlich aus Küche und Keller eines anderen Hotels bewirtet werden sollen. Das ist einem Gast nicht zuzumuten. Außerdem schafft das kein einladendes Erscheinungsbild für das Hotel am Markt.

Wir hatten bei der Besprechung auch ein Schreiben an Herrn Bürgermeister Mallmann dabei. Er bat uns das wieder mitzunehmen. Er sprach von unnötigem Verwaltungsaufwand und unnötiger Schreiberei.
Fix und fertig haben wir ein paar Tage später das Schreiben am 16. April 2011 doch noch zur Stadt geschickt. Die Saison setzte ein. Wer so einen Betrieb jemals geführt hat, weiß, was das bedeutet: Sich von früh bis spät um den Betrieb und die Gäste kümmern. Da bleibt keine Zeit oder Kraft für anderes. Aus Zukunftsangst konnten wir aber so manche Nacht trotz Müdigkeit nicht schlafen.
Im September 2011 ging es nicht los. Warum wissen wir nicht. Am 10. November 2011 kam dann ein Antwortschreiben, nicht von Herrn Mallmann, sondern von  der Verbandsgemeinde. Es ist sprachlich nicht wirklich zu verstehen. Wir riefen dort an. Uns wurde telefonisch erklärt, daß wir keinen Widerspruch gegen die Änderung der Verkehrsführung auf dem Marktplatz einlegen können, da diese Änderung nur in Planung und noch nicht beschlossen ist. Wir sollen unseren 'Rechtsbehelf' einlegen, wenn die Änderung beschlossen ist! Wie konnte Herr Mallmann dann aber bereits im April sagen: "Die Planung ist seit langem abgeschlossen, da ist nichts mehr zu machen. Im September geht es los." ?

Renata Marx: Im März dieses Jahres habe ich dann gehört, daß die Bauarbeiten am Marktplatz schon am Anfang der Saison losgehen. Da bin ich zum Bürgermeister gegangen. Darauf angesprochen sagte Herr Mallmann: "Mitte Juni geht es am Marktplatz los, die Bagger sind schon bestellt!" Ich legte Protest ein und war am Boden zerstört. Mit Herrn Mallmann war nicht zu reden. Er hört zwar zu, rückt aber von seinen Vorstellungen überhaupt nicht ab. Schriftlich gibt es von ihm schon gar nichts.

Willi Marx: Ich bin dann noch einmal bei Herrn Mallmann im Rathaus gewesen, um für eine gleichmäßige Erweiterung der Flächen zur Außenbewirtschaftung der drei Hotels am Marktplatz zu werben. Darauf hat sich Herr Mallmann aber nicht eingelassen. Ich wurde deutlicher und bezeichnete die ungleiche Behandlung der Hotels in der Planung als ungerecht. Völlig ungerührt entgegnete Herr Mallmann: "einer muß immer darunter leiden! Das ist nun mal so." Diese Einstellung eines Bürgermeisters machte mich zunächst einmal sprachlos.
Dann bin ich noch zu einer Stadtratssitzung gegangen, habe meinen Fall ein wenig vorgetragen und um eine kleine Verbreiterung meiner Terrasse und den Weiterbestand der Außenbewirtschaftung in der Heerstraße gebeten. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde dies beraten. Herr Mallmann hat mir anläßlich eines weiteren Besuches bei ihm mündlich mitgeteilt, mein Begehren sei einstimmig abgelehnt worden.
Es kam zu den Schreiben von Einwohnern von St. Goar, die meine Frau mit unterschrieben hat. Die sind bei Ihnen veröffentlicht.

WdB: Abschließend, was würden Sie sich wünschen, wenn Sie an den Stadtrat und den Bürgermeister von St. Goar einen Wunsch frei hätten?

Renata Marx: Nicht alles vom grünen Tisch und hinter verschlossenen Türen machen. Von uns ist noch niemand angesprochen worden. Die Stadträte und der Bürgermeister sollen - von ihnen selbst ausgehend - ihre Vorhaben unvoreingenommen mit denen, die davon betroffen sind, offen bereden. So kommen praktikable, sachgerechte und faire Lösungen für alle raus.

Willi Marx: Dem kann ich nur zustimmen. 

 

 

 

 

 
Anmerkung der Redaktion: 

Wir werden Herrn Bürgermeister Walter Mallmann um ein Interview zu diesem Thema bitten.
Das Anliegen der Einwohner von St. Goar ist in der Rubrik in Petition veröffentlicht.

 
   St. Goar, 22. Juni 2012: Die drei Hotels am Marktplatz zu St. Goar: Hotel Restaurant Zum Goldenen Löwen,
   Hotel Restaurant am Markt und
   Hotel Restaurant Hauser, zur Zeit verwaist.

Die bekannte Planung der Außenbewirtschaftung am Marktplatz. Die Vierecke mit Innenkreise sind Tische mit Bestuhlung.

  

  

  

   
Anmerkung der Redaktion: 

Von einem Bürger St. Goars erhielten wir einen Hinweis auf den Fachartikel "Maßstäbe einer Sonderbenutzungserlaubnis für Außengastronomie" von Dr. Caspar David Hermanns, Osnabrück. Mit freundlicher Gestattung des Autors haben wir die obige Verknüpfung zu dem Fachartikel gesetzt.

   
   

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