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20110104.01.01, 56329 St. Goar, wdz

Loreley verhext Schiffer!
Schäden an der Uferpromenade zur Loreley.
Mahnung für die Neugestaltung des Hansenplatzes?

Die mehrmaligen mittleren Hochwässer im Advent haben indirekt an der Uferpromenade zur Loreley nicht unerheblichen Sachschaden angerichtet. Indirekt, weil der Sachschaden vom Tankmotorschiff "Svenja Reich" ausging, das am 11. Dezember 2010 auf Talfahrt die Fahrrinne verließ, um zu promenieren. Vorsorglich wurde von den Mitarbeitern des Bauhofs bereits in Höhe des Strandes eine warnende Beschilderung und Absperrung für Fußgänger aufgestellt.

Nach der Kurve unterhalb der Wahrschauer hat das Schiff große Stücke des Teerbelages in ganzer Breite des Leinepfades herausgebrochen. Auch einiges Gestein des Wegunterbaues, dabei beachtliche Schieferbrocken, wurden aufgetürmt und bewegt. Das Hochwasser hat nach den Verletzungen der Oberfläche alles fein ausgewaschen.

In Gegenrichtung nach St. Goar ergibt sich folgendes Bild:

Dieser Abschnitt war nicht Teil des Neuausbaues der Promenade vor ein paar Jahren, sondern ist im alten Zustand belassen worden. Er war von alter und bewährt guter Qualität. 

Vielleicht war ja ein Leser Augenzeuge, hat den verhexten Schiffer bzw. sein Schiff beobachtet oder gar photographiert und ist so freundlich uns dies mitzuteilen?
Die Wasserschutzpolizei hat Radaraufzeichnungen und weiß natürlich welche Reederei verantwortlich ist. Bürgermeister Mallmann hat sicher schon Kontakt mit ihr und ihrer Versicherung aufgenommen.

Auf der neuen Promenade, dort wo die Strömungsgeschwindigkeit des Rheins bei Hochwasser durch die 'Kurve' der Loreley besonders stark ist, wurde vom Schiff der erste Schaden verursacht: Die Sitzblöcke und Teile der Natursteinpflasterung unter diesen wurden losgebrochen und etwas rheinabwärts wieder abgelegt. 

Verknüfung vom 20.02.2011 zu:

20110220.02.01, 56329 St. Goar, wdz
Hat dies die TMS "Waldhof" getan?

Die Betonsteinpflasterung der Promenade wurde an zwei Stellen aufgebrochen und an der gestickelten Uferböschung ist ein ordentliches Loch, dessen Ansatzpunkt der Zerstörung wohl ein Poller oder herausstehender Meßpunkt war.

Zwei stabile Eisenpfosten, die eins der erklärenden Schilder des Themenwegs trugen, wurden direkt am Boden umgeknickt. Das Schild selbst ist nicht mehr zu sehen; wurde vielleicht sichergestellt. Auch eine der neu gepflanzten Eichen steht bedenklich schräg.

Bei den drei Sitzinseln mit Tischen, war der mittlere Tisch umgeknickt und zeigte mittig im Fuß einen teilweise herausgezogenen, umgebogenen Baustahl von etwa 10mm Durchmesser. Wie der Schiffer den Tisch tangierte, ohne die vier Sitzmöbel zu bewegen, ist schleierhaft. 

Der Tisch ist wieder 'provisorisch' aufgestellt, aber am Fußpunkt noch ungesichert.

Insgesamt wird die Macht des fließenden Wasser sehr anschaulich sichtbar. Die Macht, die durch Schwemm- oder Schwimmgut großer Masse - hier ein Schiff - noch ganz erheblich gesteigert wird. Was selbst kleinere Rammböcke (wie Baumstämme) bewirken, hatte sich ja bereits am Edelstahlgeländer unterhalb der Wahrschauer ein Jahr zuvor gezeigt.

Bei der Einwohnerversammlung zum Thema "Modellstadt St. Goar" hatte eine Teilnehmerin Bedenken in Hinsicht auf den bei der Neugestaltung des Hansenplatzes geplanten 'Bug' geäußert. Einerseits in Bezug auf die Gefährlichkeit desselben für spielende Kinder wegen seiner Höhe und andererseits generell bei Hochwasser. Diese Bedenken wurden von dem anwesenden Planer, Herrn Dipl.-Ing. (FH) Axel Alesiani, lapidar beiseite gewischt. Er könne in St. Goar viel gefährlichere Stellen aufzeigen (er zeigte sie aber nicht auf) und ansonsten würden sie ja mit Ingenieuren zusammenarbeiten, die den Wasserbau beherrschten. Letzteres mag ja zutreffen. Sicher wäre ein solcher massiver Bug im Falle eines verhexten Schiffers aber eine große Gefahr. Nicht zuletzt durch Gefahrgüter, die ständig auf dem Rhein transportiert werden. Die schönen, natürlichen Klippen des Rheins wurden mühsam beseitigt. Jetzt soll ein künstlicher Bug als Kunst am Bau gesetzt werden?

Die von Hochwasser ausgehende Gewalt ist keine unbekannte oder gar höhere Gewalt am Rheinufer. Im Gegenteil, wie geplant werden muß, damit Installationen trotz dieser Gewalt und in sich selbst sicher sind und von ihnen keine Gefahr ausgeht, ist gerade die Kernaufgabe der Planer und Ingenieure. Wer mit großen möglichen Fallhöhen und in massiver Art bewußt mit scharfkantigem Klotz strömungstechnisch ungünstig plant, muß immer menschliches Versagen - bei der Schiffahrt oder auch von Kindern - berücksichtigen. Wer das als Fachmann oder als Auftraggeber nicht tut, nimmt Folgeschäden bewußt in Kauf.

Beim ersten Abschnitt der neuen Ufergestaltung zwischen Panzerrampe und Hafen, der noch in der Ausführung von dem Hochwasser überrascht wurde, hat Rasen, der im Herbst nur wenige Wochen wachsen konnte, das Hochwasser gut gemeistert. Aber hier hatte der Schiffer die Loreley wohl nicht mehr im Sinn.


© 2010-2011 Wolf D. Zinck

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