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16.01.2011 19:42    Loreley trauert

Goarsches (1)
20110201.01.01, 56329 St. Goar, wdz
 

Das hat die Loreley nicht getan! 

 

Ganz gleich welcher Grund zum Kentern führte, für die Schiffer war der Ablauf bis zum Kentern des Schiffes ab einem gewissen Punkt nicht mehr handhabbar, tragisch. Analyse des Hergangs und zukünftiges Vorbeugen soll in diesem Text nicht betrieben, nicht diskutiert werden. Nein, hier soll es einzig um den Ausdruck tief empfundenen Mitgefühls gehen, das hier vor Ort besonders auch bei den gestrandeten Schiffsleuten(4) spürbar ist.

Seit dem Unglück des Tankmotorschiffes Waldhof am 13. Januar 2011 geht mir die schreckliche Situation der noch vermißten Schiffer, Ihrer Angehörigen und besonders der zwei Besatzungsmitglieder, die gerettet wurden, nicht aus dem Sinn. Wenn ich abends an der Unglückstelle vorbeikomme, ich wohne gerade mal dreihundert Meter rheinabwärts, und ich mich in die möglichen Situationen der Vermißten hineinversetze, geht es mir richtig schlecht. Noch schlechter, bis an die Grenze des Erträglichen, wenn ich mich in die Situation des geretteten Sohnes versetze. Auch wenn es kein echter Trost ist, bin ich als Vater erwachsener Kinder sicher, daß Eltern immer das Schicksal des Kapitäns dem umgekehrten Fall vorziehen und den Kindern zurufen würden, das Leben weiter zu tragen.

Auf Passagierschiffen wird ab der Unglücksstelle bis zum und um den Loreleyfelsen oft das Loreleylied(1) gespielt. Gehe ich mit meiner Geliebten(5) auf der Promenade zur Loreley, weht die Melodie herüber, der Text geht dabei aber über die Distanz meistens verloren. Trotz aller Hochachtung vor dem Dichter(2) - er möge es mir bitte verzeihen - wird der Text zur Melodei(3) bei mir zukünftig in Erinnerung an die Verunglückten auch manchmal anders lauten:

Lore-Leys Trauerlied

Ich weiß wohl was soll es bedeuten, 
Daß ich so traurig bin; 
Ein Unglück aus neueren Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn. 

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein; 
Der Gipfel des Berges funkelt 
Im Mondensilberschein. 

Die schönste Jungfrau trauert
Kaum sichtbar dort am Berg, 
Warum mußt es nur geschehen,
Zwei Schiffer im stählernem Sarg. 

Die Tränen benetzen den Kamme,
Sie weint ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame, 
Gewaltige Melodei. 

Die Schiffer, im liegendem Schiffe,
Ergreift es mit wildem Weh;
Sie werden die Lieben nicht schauen,
die Sonne nimmermehr sehn.

Ich glaube, die Wellen verschlingen 
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat niemals mit Singen 
Die Lore-Ley getan. 


17. Januar 2011

20.02.2011 Verknüpfung zu:
Übersicht Diskussionspunkte TMS "Waldhof"
Goarsches
   (1) Die Lore-Ley Gedicht und Vertonung
   (2) Gedicht: Christian Johann Heinrich Heine,* 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf; † 17. Februar 1856 in Paris
   (3) Vertonung: Philipp Friedrich Silcher, auch: Friederich, * 27. Juni 1789 in Schnait im Remstal,
heute zu Weinstadt; 
        † 26. August 1860 in Tübingen
   (4) Nach dem Unfall war der Rhein für die Schiffahrt gesperrt. Die Schiffer waren entlang des Rheins  'gestrandet' und 
        einige kamen zur Unfallstelle.
   (5) Die Geliebte des Autors ist seine Frau.   
 
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