Artikel  |  Diskussion  |  in Wahl  |  in Petition  |  Archiv
  Sonderübersicht zum Thema: Projekt "Modellstadt St. Goar"
  NEU! 
  Die Rhein-Zeitung veröffentlicht den Leserbrief!
  Aber, warum geht die Rhein-Zeitung dabei unter die Fälscher?
   
 
St. Goar, 6. Juni 2013  Bereits vor dem Höchststand des Hochwassers wurden in der Kernstadt von St. Goar
                                  Erdgeschosse überflutet
(im Bild Kauber Pegel 6,89 m, fallend; Höchststand des Hochwassers am
                                  5.6.2013 mit 7,19 m)

Warum wurde die "Modellstadt St. Goar"
jetzt wieder vom Hochwasser überflutet?
Aus dem Fundus der künftigen Posse: "Oh heiliger, heiliger San Gewehr"
20130618 1.0, St. Goar, wd

Der Artikel der Rhein-Zeitung vom 17.01.2011 "Kata-strophentouristen" überschwemmen St. Goar  endet mit der frohen Botschaft: "Aus dem jetzt mit Erfolg praktizierten Hochwasserschutz zieht die Stadt Lehren: "wir werden es künftig immer so machen", lautet Mallmanns Fazit."

Daß diese Erklärung des Bürgermeisters eine sehr kurze Wahrheitswertzeit haben würde, deutete sich den vom Hochwasser betroffenen Bürgern recht bald an. Als sie sich über den Hochwasserschutz, der im Rahmen des Projekts "Modellstadt" St. Goar verwirklicht werden soll, erkundigten, wurde klar: Mallmann und seine Mannen und Frauen werden es künftig immer so machen, wie es vor 2011 gemacht wurde. Sie werden bei jedem Hochwasser, das mit dem technisch nie ausgereiftem und lange veraltetem Quickdamm nicht gehalten werden kann, die betroffen Gebiete St. Goars, in lang geübter Tradition absaufen lassen. Das lobpreisgepriesene Projekt "Modellstadt" St. Goar macht sich die denkwürdige Tradition einfach zu eigen und verzichtet auf weitergehenden echten Hochwasserschutz. 

Es ist offensichtlich, daß Menschen in St. Goar und anderswo, die dort gebaut haben, leben und wohnen, wo Hochwässer auftreten, eigentlich selbst schuld sind. Sie hätten es besser wissen können und sollten eigentlich nicht nach Hilfe schreien, wenn wie seit alten Zeiten Hochwässer kommen. Göttin sei Dank, helfen aber Menschen ihren in Not geratenen Mitmenschen ganz unabhängig davon, wie die Not zustande kam. 
Und das gilt sogar in St. Goar, wenn auch:
- eine ältere Dame für ein paar Scheiben frisches Brot die Bad Kreuznacher Feuerwehr zur Hilfe rufen mußte. War da zumindest die nachbarschaftliche Hilfe versehentlich suboptimal?
- die Stadt kleine Hilfestellungen, die sie ehedem von sich aus leistete, diesmal bei Nachfrage nur gegen Rechnung erbringen wollte.

Diesmal wurde die Versorgung und der Personen-verkehr der vom Hochwasser eingeschlossenen Häuser Dank der Feuerwehr in Schlauchbooten durchgeführt. Wie immer führte ein Hochwassersteg zum Anleger der Personenfähre Felix. Der macht für diese Möglichkeit der Rheinquerung ohne Zweifel Sinn. Und für eine mögliche neue Tradition wurde der Grundstein gelegt: Der einzige Hochwassersteg in der Kernstadt führt zum Rathaus - politique oblige.

Doch zurück zu der eigentlichen Frage des Artikels: Warum wurden Teile der "Modellstadt" St. Goar jetzt wieder überflutet? Die Antwort ist ganz einfach: Weil der Bürgermeister es so wollte und will. Ist die Antwort wirklich so einfach? Unglaublich, aber wahr: Ja.

Einer Stadt als Bürgermeister zu dienen ist sicher keine leichte Aufgabe. Im Falle St. Goars mit schwieriger Haushaltslage und im Ehrenamt schon gar nicht. Da gab es und wird es keine lange Schlange befähigter Bewerber geben. Jedem, der sich ein solches Amt aufhalst, gebührt erst einmal Respekt, Unterstützung und die besten Wünsche für die Amtsausübung. In der Zeit der Amtsausübung kommt es dann darauf an, wie die laufenden Aufgaben, die, an den ohnehin nicht viel zu "ändern" ist und besonders die Aufgaben, die mit Gestaltungs- und Ermessens-spielraum versehen sind, tatsächlich gehandhabt werden. Ähnliches gilt für die Mitglieder des Stadtrates.

Neben den laufenden Aufgaben hat die Stadt St. Goar in den letzten Jahren große Investitionsvorhaben durchgeführt und begonnen. Das Projekt "Modellstadt" St. Goar konnte - zusätzlich zu den ohnehin und seit ewigen Zeiten geplanten Investitionen an der durch den Ort führende B9 - wesentlich durch Subventionen aus dem Füllhorn eines  Konjunkturprogramms der Bundesrepublik aus der Taufe gehoben werden. Das Programm war wegen der "Wirtschaftskrise" 2008/2009 aufgelegt worden und enthielt neben der Abwrackprämie für PKW auch ein Subventions-programm für die deutschen Welterbestätten. Wenn die gewünschte konjunkturelle Wirkung auch dieses Konjunkturprogramms sicher fragwürdig war und ist, hat es jedoch auch im Oberen Mittelrheintal Vorhaben ermöglicht, die aus den Mitteln der eigenen Steuereinnahmen von Land, Kreisen und Städten so nicht durchgeführt hätten werden können. 

Insoweit ist das Projekt "Modellstadt" St. Goar aus Sicht der lokalen Interessen St. Goars grundsätzlich zu loben. Auch das Modellhafte, die Absprache und Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten, eigentlich eine banale Selbstverständlichkeit, sollte für Vorhaben der öffentlichen Hand allgemein verbindlich werden. Nach diesem Lob werden bei vorurteilsfreier Betrachtung des Projektes aber auch schwerwiegende Schwachstellen der Projektdurchführung sichtbar.

Die vom Projekt betroffenen Bürger wurden  an der Entwicklung und Gestaltung des Projekts nicht aktiv beteiligt. Im Gegenteil, jegliche echte Beteiligung wurde verwehrt. Es kann ja sein, daß der mit viel Steuergeld durchgeführte Internationale Wettbewerb aus inhaltlichen und rechtlichen Gründen sinnvoll und geboten war. Bei einem mit Steuergeld bezahlten Vorhaben, daß so langfristig und tief in den Lebensraum der betroffenen Bürger eingreift, ist es aber und kann es nicht verboten sein, daß die Bürger über die eingereichten Entwürfe informiert werden, über  diese diskutieren können und letztlich entscheiden welcher Entwurf oder welche Kombination aus den Ideen der Entwürfe zur Ausführung kommt. Dem war aber nicht so. Die Einwohner wurden zwar informiert, aber immer wenn dies geschah, war über die Gestaltung bzw. über Nutzung der optionalen Gestaltungsmöglichkeiten im wesentlichen schon entschieden oder schwarzgelbroten Eminenzen in künftigen, geheimen Sitzungen vorbehalten.

Wenn das Ergebnis der Planung nahe an der theoretisch optimalen Gestaltungsmöglichkeit gewesen wäre, wäre es zwar immer noch ohne Beteiligung der Bürger und somit nicht wirklich demokratisch geschehen, aber es wäre zumindest kein Schaden entstanden. Dem ist aber nicht so und das ist kein Einzelfall bei Projekten der öffentlichen Hand. Neben dem Argument wahrhaft gelebter Demokratie spricht besonders für echte Bürger-beteiligung, daß die bei den Bürgen in voller Breite und Tiefe vorhanden Erfahrungen, Kenntnisse und Kreativität durch solche Beteiligung einfließen und die Planungen dadurch in jeder Hinsicht nur gewinnen können. 

Beim Projekt "Modellstadt" St. Goar ist die Planung an mehreren Stellen suboptimal:

Es ist Planern nicht anzulasten, daß sie am liebsten alles abbrechen und neu gestalten wollen. Das macht den Planern genauso viel Spaß, wie spielenden Kindern im Sandkasten. Zudem steigt dadurch das Bauvolumen und mit diesem das Einkommen der Planer aus allen Schritten der Planung und der Baubegleitung. Bezahlt wird hier aber mit Steuergeldern, die die Staatsverschuldung weiter erhöhen. Da ist es zumutbar, daß die Nutznießer solcher Staatsverschuldung das Steuergeld nur sparsam einsetzen. Das ist eine Kernaufgabe der öffentlichen Auftraggeber solcher Projekte. Beim Projekt "Modellstadt" St. Goar wird der Grundsatz des sparsamen Umganges mit Steuergeld aber eklatant mißachtet.

Der Marktplatz, der gerade mit hohem Kostenaufwand eine neue Gestaltung und Oberfläche bekommt, war in dem Bereich der ehemals mit Basaltkopfsteinpflaster belegt war, vollkommen intakt und hätte problemlos in das Konzept der zum Rhein durchgehenden Platzerweiterung integriert werden können. Mit kleinem Geld hätten die Parkplätze unter der Eiche (samt Schilderwald) beseitigt und hätte die Baumscheibe vergrößert und verschönert werden können.

Auch der Mehrwert des "Rheinbalkons", eines riesigen, in den Rhein ragenden Betonklotzes ist zumindest aus Gründen der sparsamen Steuergeldausgabe fragwürdig. Wegen dieses Betonklotzes wird kein einziger zusätzlicher Tourist nach St. Goar kommen oder bleiben und im Ort Geld ausgeben.

Für beide vorgehenden Planungen können auch keine belastbaren gestalterisch, ästhetischen Gesichts-punkte ins Feld geführt werden. Im Gegenteil, im Marketing wird Gästen das romantische Mittelrheintal beispielsweise stimmig mit Verweis auf "William Turner" schmackhaft gemacht. Da ist es völlig unangebracht intaktes Basaltkopfsteinpflaster durch moderne, geflammte Basaltplatten zu ersetzen. Der ausufernde Gebrauch von Betonfertigteilen paßt auch nicht zur Rheinromantik. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit ist der betonöse Rheinbalkonklotz mit der gegen die Strömung gerichteten "Bugspitze".

Der Quark wird Dank der entscheidenden Betonköpfe gebaut werden. St. Goar wird ihn genauso überstehen, wie so manchen anderen Mist der vergangenen Jahrzehnte. Damit kommen wir wieder zu dem menschengemachten Misthaufen der wiederkehrenden Überschwemmungen bewohnter Gebiete durch Hochwässer in St. Goar zurück. Es ist zweifelsfrei so, daß die Hochwässer in St. Goar schon grassierten ehe die ersten Menschen hier Häuser bauten. Die Menschen, die im Überschwemmungsgebiet bauten nahmen die Überschwemmungen der Lage wegen oder aus anderen Gründen billigend in Kauf. Die Reichen und/oder Vorsichtigen bauten mineralische, massive, gut gegründete überirdische "Keller-geschosse", denen Hochwässer nichts anhaben können. Aus den Obergeschossen kann dann von Zeit zu Zeit die venezianische Metamorphose genossen und die Zeit der Rückverwandlung in Ruhe abgewartet werden. Andere haben tiefer liegende Erdgeschosse oder Nutzen heute als Epigonen die überirdischen Kellergeschosse. Dazu kommt, daß die Nutzer im Laufe der Zeit wechseln und nicht immer "völlig" freiwillig die vom Hochwasser betroffenen Lagen nutzen. Und einigen Menschen steht bei Hochwasser - nicht nur bildlich - das Wasser bis zum Hals.

All dies und viel mehr war den Projektinitiatoren und allen in Folge Beteiligten bekannt. Der Hochwasser-schutz wurde von Anfang an als ein wichtiges Anliegen des Projektes bezeichnet. Im Projekt selbst wurde der Hochwasserschutz für die betroffenen Einwohner St. Goars aber in keiner Weise verbessert. Dies, obwohl die möglichen Maßnahmen dazu im Waldhof-Hochwasser zu entsprechendem Erkenntnisgewinn auch bei den letzten Zauderern führte. Der im Projekt "Modellstadt" St. Goar verwirklichte Hochwasserschutz erschöpft sich in der hochwasserfesten Ausführung der neuen Flächen und Bauwerke. Eine vorausschauende, vorsorgende, echte Planung dafür, wie mit einem Auftreten eines Hochwassers in der Bauphase umzugehen sei, gab es offensichtlich auch nicht. Und beherzt improvisiert, wie 2011, wurde ebenfalls nicht, obwohl dies leicht möglich gewesen wäre und auf der Hand lag.

Die amtlichen Hochwasservorhersagen sind bei größeren zu erwartenden Hochwasserständen anfänglich, bzw. wenn es noch lange dauert bis die Scheitelwelle ausgebildet sein wird und St. Goar erst viel später erreichen wird, immer höher als Sie tatsächlich ausfallen. Dafür gibt es gute Gründe:

Hochwasservorhersagen müssen auf der sicheren Seite - also eher zu hoch als zu niedrig -  sein.

Niemand möchte für eine zu niedrige Vorhersage verantwortlich sein. Die Vorhersage basiert also im Zweifelsfall immer auf höheren Annahmen und viele Bestandteile der Annahmen können anfänglich nur geschätzt werden. So addieren sich in den Berechnungsmodellen viele kleine Sicherheitspolster. Mit dem Ablauf der Zeit und je nach dem was in diesem tatsächlich geschieht, wird die Vorhersage immer genauer. Die Hochwasservorhersage für das letzte Hochwasser war sehr gut. Es wurden zwar einige Erdgeschosse unnötigerweise geräumt, weil die anfänglich vorhergesagten Wasserstände sie beträchtlich überflutet hätten, aber das ist der Preis dafür auf der sicheren Seite zu sein. Dieses Hochwasser kam vorhersehbar und langsam.

Es gab also keinen Grund den 2011 "mit Erfolg praktizierten Hochwasserschutz" nicht zu wieder-holen. Im Gegenteil, es gab triftige Gründe diesen auch bei und für die Baustelle beherzt anzugehen. Genau im Bereich der  zu errichtenden Hauptbarriere gegen das Hochwasser liegt die Baustelle am Marktplatz. Schon etliche Tage zuvor war auf verdichtetem Unterbau eine kräftige Schicht statisch belastbaren Drainagebetons aufgebracht worden. Der Drainagebeton hatte seine Endfestigkeit sicher noch nicht erreicht. Die stellt sich erst nach Monaten ein. Aber auf die letzten paar Prozent Festigkeit kommt es hier nicht an. Zudem hätte die Barriere fast vollkommen über die asphaltierte B9 verlaufen können. Statt Kosten für das Räumen und Wiedereinrichten der Baustelle auflaufen zu lassen, hätte Geld für das Fernhalten des braunen Rheinwassers von der Baustelle investiert werden können. Die Baustelle hätte nicht völlig geschlossen werden müssen. Die zeitkritischen Belagsarbeiten des Marktplatzes hätten zumindest im Bereich der oberen Barrierestufen (gestufte Terrassierung) durchgeführt werden können und im Anschluß ans "Finanzamt", wo selbst jetzt das Hochwasser nicht hinkam, wenn dort der Unterbau, der Drainagebeton, in Ordnung gewesen wäre. Auf jeden Fall wäre der Risikofaktor Schlamm auf Drainagebeton nicht aufgetreten. Das vom Boden gefilterte Rheinwasser oder Bergwasser hätte die Funktionalität des Drainagebetons, dort wo es von unten angestanden hätte, gänzlich unschädlich für den Drainagebeton anschaulich als sanfte Flächenquelle belegen können. 

Wenn aber, wie geschehen, der Drainagebeton vom Rhein überflutet werden sollte, hätte eine fachgerechte Handhabung der Hochwasserüberflutung jegliche Schadensverursachung am Drainagebeton in St. Goar - so oder so - fernhalten können. Erst einmal ist festzuhalten, das Beton grundsätzlich Wasser liebt. Wenn also einige Tage nach Ausbringung des Drainagebetons dieser mit Wasser beaufschlagt wird und die Beaufschlagung sanft und fast strömungslos geschieht, ist das für den hydraulischen Abbindungs- bzw. Vernetzungsprozeß des Betons nur förderlich. Die Qualität kann dadurch nur besser werden. Die Höhenlage der großen unteren Drainagebetonfläche in Verlängerung der Heerstraße liegt tiefer als die B9, über die Flußwasser auf diese Fläche fließen kann. Wegen der dort vorhanden geringen Strömung bzw. Rückströmung lagern sich Feinanteile des Hochwassers ab, wie es in St. Goar fast überall im "Hochwasseruferbereich" üblich ist. Daraus ergibt sich, daß der Drainagebeton mit dem Steigen des Grundwasserspiegels - unterirdischer Aufstau des Bergwassers, unterirdisches Einfließen des Hochwassers - langsam von unten durchströmt wird. Da der Unterbau genau dafür ausgelegt sein sollte, darf das dem Drainagebeton nicht schaden. Wenn nachfolgend, nach Überspülen der B9 Flußwasser von oben hinzukommt, ist das nicht weiter tragisch, weil der Unterboden und der Drainagebeton bereits mit relativ klarem Wasser gesättigt ist. Dazu ist auch zu beachten, daß 
- der Zeitpunkt des Überflutens durch Rheinwasser beispielsweise durch Verlegen einer kleinen Barriere von Sandsäcken einfach gesteuert werden kann. D.h. braunes Rheinwasser von oben kommt erst zur Drainagebetonfläche, wenn der Drainagebeton vorher sicher mit "sauberem" Wasser gesättigt ist. Das kann in Analogie auch die ansteigende Fläche des Drainagebetons zur Stiftkirche hoch mit ein paar Sandsackdämmen spielend genauso gemacht werden.
- über dem Drainagebeton eine Kunststoffolie ausgelegt war und in beliebiger sachgerechten Qualität hätte ausgelegt werden können, die fachgerecht beschwert, jegliche Schlammeindringung vom Drainagebeton fernhielt oder fernhalten hätte können.
- der Drainagebeton zum richtigen Zeitpunkt ohne weiteres mit Frischwasser gesättigt und geflutet hätte werden können.
- mit sinkendem Hochwasser zum richtigen Zeitpunkt (ehe der Grundwasserspiegel tiefer als die Oberfläche des Drainagebetons fiel) jeglicher Schlamm manuell einfach aufgewirbelt und abgesaugt hätte werden können.
Die beiden letzten Punkte sind in Hochwassergebieten gegen hochwässerlichen Schlammeintrag in Kellern und zum Beseitigen der Schlammabsetzung übliche Praxis.

Jetzt geht in St. Goar das Gerücht um, der ganze Drainagebeton müsse entfernt und erneuert werden. Dort, wo das Hochwasser nicht hingekommen ist, weil er dort nicht in Ordnung sei und gleichermaßen dort, wo er vom Hochwasser überflutet wurde. Da bei fachgerechtem Umgang mit dem Hochwasser der Drainagebeton hat keinen Schaden nehmen können, kann zumindest der Stadt bzw. dem Steuerzahler dadurch kein Schaden entstehen. Dafür haben und werden sicher Gutachter auch mit Beweissicherung von Stücken des Drainagebetons gesorgt haben. Gerade der vom Hochwasser überflutete Bereich des Drainagebetons scheint an den spärlichen Kernbohrungen und den sonstigen Schnittstellen der wenigen Probeöffnungen nicht gerade haufwerksporig zu sein. Vergrößerte Aufnahmen zeigen eine eher hohe Gefügedichtheit und von eingetragenem Schlamm keine Spur.

Aus dem Vorgehenden wird deutlich, daß die Verhinderung der Überflutung St. Goars gerade wegen der Baustelle für die Stadt und die Ausführenden der Baustelle eher kostengünstiger gewesen wäre, als das Absaufen lassen der Baustelle und St. Goars. Auch hätte die Feuerwehr sicher nichts dagegen gehabt, aus der Erfahrung von 2011 zu schöpfen und sich gezielt für eine erneute und hier und dort sogar verbesserte Wiederholung der Schutzmaßnahmen von 2011 vorzubereiten. Die Feuerwehrleute St. Goars sind professionell in ihrer Arbeit, im Training und in der Vorbereitung. Sie hätten unter anderem auch eine notfalls gemietete Pumpe perfekt eingesetzt - neben ihr gesessen anstatt im Schlauchboot - und die Überflutung zumindest der meisten Erdgeschosse sicher verhindert. Man hätte sie nur machen lassen müssen.
Vom Hochwasser betroffene Bürger hatten rechtzeitig nach den ersten Prognosen sich gegenüber der Stadt von sich aus bereit erklärt, sich an den Kosten der Hochwasserabwehr zu beteiligen. Dies wurde aber von der Stadt nicht aufgriffen. So etwas hätte eigentlich im Rahmen einer verbesserten Hochwasservorsorge nach 2011 gezielt organisiert werden müssen.

Aber nein, der regierende Bürgermeister will es nicht. Genausowenig hat er auf den von der Bürgerinitiative "Pro St. Goar" eingebrachten Vorschlag des Hochwasserschutzes für die Modellstadt St. Goar jemals inhaltlich reagiert. Niemand in St. Goar ist dagegen den jahrzehntealten Stau unterlassener Instandhaltung in St. Goar zu beseitigen. Niemand ist dagegen St. Goar weiterzuentwickeln. Es kommt aber auf das "Wie" an. Für das "Wie" sind im Ideenwettbewerb hinreichend auf der Hand liegende Verbesserungen für St. Goar vorgeschlagen, prämiert und angekauft worden, die ohnehin schon vorher bekannt waren. Nur wurden und werden die notwendigen, echten Verbesserungen bei der Ausführung nicht verwirklicht. In kleinlicher Manier soll und wird der Vorschlag des ersten Preisträgers umgesetzt, als wäre er allein seligmachend und das Gelbe vom Ei. Dem ist aber faktisch sicher nicht so:

Beispielsweise ist der Engpaß an der B9 zwischen der Köln-Düsseldorfer Anlegestelle und der ehemaligen Landungsstelle der Fähre allgemein bekannt. Er sollte in früheren Planungen und auch in zumindest einem der prämierten und angekauften Vorschläge beseitigt werden. Diesen Engpaß im Rahmen der "Modellstadt" St. Goar nicht zu beseitigen ist unverzeihlich. 
Ja, der Bürgermeister will den Engpaß erhalten und hat deswegen die erhaltenswerte Lindenreihe genüßlich abschlachten und häckseln lassen. Nach der Devise: "Nur keine Spuren hinterlassen und bitte schon gar keine kulturellen." Beiläufig: Tilmann Riemenschneider hätte bessere Verwendung für die prächtigen Lindenholzstämme gefunden. 
Ja, der Bürgermeister will lieber einen nicht in die Landschaft passenden funktionslosen Betonklotz im Rhein.
Ja, der Bürgermeister mag intaktes Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz nicht. Er will lieber die Staatsver-schuldung durch teure, moderne, geflammte Basalt-platten hochtreiben, die sich von solchen Kunststein-platten aus Beton nicht wirklich unterscheiden lassen, die sich für einen Friedhofsweg oder als Wegbelag zu einem Mausoleum zweifelsohne empfehlen. Und er will neue Barrieren und Stolperfallen durch Terrassen-stufen.
Ja, der Bürgermeister will den Radweg an idiotischer (im Sinne der Wortwurzel) Stelle zwischen der B9 und der Rheinstraße führen, die Radfahrer zweimal zum Queren der B9 nötigen und den Rheinuferpark zumindest von der Wirkung her deutlich verkleinern ...
 
Ja, der Bürgermeister will auch zukünftig St. Goar von jedem echten Hochwasser überfluten lassen.

In der Posse fehlt nur noch, daß er für das Denkmal auf dem Rheinbalkon Modell steht und später mit den höchsten Orden dekoriert wird. 

Ja, der Bürgermeister will in die Annalen der Stadt eingehen. 
Ja, er wird in die Annalen der Stadt St. Goar eingehen: Als der Bürgermeister, der in seiner Amtszeit vom Füllhorn der Subventionen überschüttet wurde und sich der guten Vorschläge des Wettbewerbs nicht zu bedienen verstand. 

Der sprichwörtliche Ruck könnte helfen, die schon verfahrene Situation noch abzumildern. Nur, wo der in St. Goar herkommen soll, in der es anders als in Oberwesel keinen Bauverein gibt und die wichtigen Entscheidungen - ohne echte Einbindung der Einwohner - in Geheimsitzungen betrieben und entschieden werden, ist schleierhaft.
Und die Anrufung des Heiligen Goar hat bisher auch noch kein Wunder nach St. Goar gezaubert.

Es gibt zwar allerlei Gründe sich ob des Bautheaters in St. Goar zu wundern, aber keinen Grund zum Verzweifeln. Das Theater wird weitergehen. Ex machina werden neue Füllhörner St. Goar mit weiteren Subventionen überschwemmen. Sei es eine neue Königin von SanGewehr oder einfach eine frische Bürgermeisterin, sier wird mit oder ohne Beteiligung der Einwohner ein neues, altes Spiel beginnen. So wie jetzt das Basaltsteinkopfpflaster mit machtvollen Maschinen am Freudenstock mühelos beseitigt wurde, kann es dereinst so manchem Betonklotz ergehen. Der Flaschenhals St. Goars könnte geweitet werden. Damit Archäologen fürderhin fündig werden, könnte der jetzt mit Barriere-, Stolperstufen versehene, kleinlich terrassierte Teil des Marktplatzes als Fundament einer großflächigen, hochwasserfreien, fast ebenen Terrasse mit Freitreppen- und barrierefreiem Zugang dienen - und wie der Rest, von zukünftigen, noblen Preisgeldträgern gestaltet werden, obwohl die Gestaltungsmöglichkeiten dazu natürlich seit Jahrzehnten vor Ort bekannt sind. Von Zeit zu Zeit wäre das auch eine prächtige Bühne für das eine oder andere Schauspiel. Und, wenn dann auch noch der Hochwasserschutz vollzogen wird und dafür u.A. der jetzt neu gebaute, sinnvolle Niederschlagswasserkanal einen bei Hochwasser verschließbaren Deckel erhält, damit das Hochwasser nicht unterirdisch mit voller Kanne durch 80 cm Querschnitt die B9 - rückwärts - mit Rheinwasser wässert und in den Regenwasserrohren emporsteigt, können solche Schauspiele selbst bei sommerlichem Hochwasser stattfinden. Die Zuschauer auf dem unteren Teil des Marktplatzes müßten, je nach Körperhöhe, nicht bis zum Popo oder Hals im Wasser stehen, obwohl das im Sommer natürlich erfrischend oder mit Zuschauern in Gondeln auch eine Attraktion "Venezia San Gewehr" sein könnte.

Einspaltige für Druck und Schriftvergrößerung im Browser besser geeignete Version. Verknüpfungen zu vorgeschlagenen Lösungsansätzen des Hochwasserschutzes in St. Goar der Bürgerinitiative "PRO St. Goar": 
Siehe dort Punkt 42 auf Seite 10  „PRO St. Goar # 1 bis # 47“  1.0   08.12.2012 
Lange Reihe der Pegelstände Kaub von 1981 bis heute und Hochwasserschutz laut "PRO St. Goar"
St. Goar, 6. Juni 2013  St. Goar: Hochwasser auf B9, Rhein- und Heerstraße (Kauber Pegel 6,89 m fallend, Höchststand
                                  des Hochwassers am 5.6.2013 mit 7,19 m)
© 2010-2013 Wolf D. Zinck

Leserbriefe | Mitarbeit  |  Über uns  |  Impressum